von den Lustigen Bären

Berner Sennenhunde

Der Ole-Bär

Januar 2022

Seit Juni 2021 lebt der Naseweis-Sohn Ole wieder bei mir in Bochum. Als Welpe war er nach Biberach gezogen, wo 1986 und 1989 mein zweiter und dritter Berner Sennenhund geboren waren. Berner Nummer Drei, Paulinchen von Vindonissa, war die Stammmutter meiner Zucht. Aus ihrem zweiten Wurf kam 1993 Babettchen von den Lustigen Bären zu Paulinchens Züchterin zurück  und wurde Mutter des W- und X-Wurfes von Vindonissa. Die Urenkelin von Xanja, Elaila, lebte bis August 2019 und ihre Nachfolge trat der ruhigere der beiden Naseweis-Welpen, Ole von den Lustigen Bären, im November 2019 an.

Ole war im Gegensatz zu seiner Schwester Öre als Welpe ruhig und gelassen – und eigenständig. Bei allen neuen Geräten hat er der Schwester jeweils zwei bis drei Tage lang zugeschaut, bevor er sich auf seine Laufnoppen stemmte und es ihr nachmachte. Diese Entwicklung änderte sich bis zur Abgabe der Welpen nicht, sodass die temperamentvolle Öre nach Cuxhaven zog und ich Ole nach Biberach brachte.

Im Gegensatz zu seiner Mutter ist er aber kein Hund mit ausgeprägtem „will to please“. Die Kombination aus Intelligenz, Eigenständigkeit, hoher Aktivität und Kraft machen ihn zu einem ganz besonderen Hund, der konsequente Führung und regelmäßige Beschäftigung braucht. Nachdem er sich im Frühjahr 2021 bei einer Auseinandersetzung mit einem Wildtier – vermutlich Dachs – eine Infektion mit multiresistenten Erregern am Hinterlauf zugezogen hatte, habe ich ihn zunächst zur Wundbehandlung mit nach Bochum genommen. Während dieser Zeit habe ich dann gesehen, wie anspruchsvoll er ist und angefangen, mit ihm Unterordnung zu trainieren. Es ist mir sehr schwergefallen, meiner alten Freundin den geliebten Hund wieder „wegzunehmen“, aber in Anbetracht seiner Jugend und Dynamik habe ich diesen Schritt für unumgänglich gehalten und ihn zurückgekauft. Zum Glück ist die Pfote nach einigen Wochen vollständig abgeheilt, nachdem anfangs die Tierklinik sogar die Amputation für eventuell notwendig erachtet hatte. Entscheidenden Anteil am glücklichen Ausgang hatte meine Freundin Agnes, deren Spezialisierung im Wundmanagement komplizierter Infektionen im Humanbereich neben der bei uns bereits begonnenen Lasertherapie weitere Möglichkeiten ohne (wirkungslose) Antibiotikabehandlung eröffneten.

Sobald die Pfote normal belastet werden konnte, kam Ole natürlich immer mit, wenn ich mit seiner Mutter zum Training fuhr. Während diese im Rettungshundesportbereich parallel in Flächen- Fährten- und Trümmersuche ausgebildet wurde, zeigte ausgerechnet der kräftige Rüde sofort eine ganz besondere Begabung in der Trümmersuche. Der Unterschied zu seiner Mutter ist dabei so gewaltig, dass ich sie inzwischen „nur“ noch in Fährte und Fläche führe und ihn in den Trümmern und der Fläche. Eindeutig hat die Jugend in Biberach, während der er regelmäßig über Riesenholzstapel balancieren durfte, die perfekte Grundlage für seine sichere Arbeit auf Geräten und unsicheren Untergründen gelegt.

 

Schon im Oktober 2021 haben Ole und ich die BH/VT bestanden. Seitdem ist er mit Feuereifer und viel Talent in Flächen- und Trümmertraining dabei. Eindeutig wäre er auch für die Arbeit in einer Einsatzorganisation geeignet! In der Fährte scheint er sich zu langweilen, dieses ruhige und konzentrierte Tritt-für-Tritt-Suchen liegt im viel weniger als die freiere Hochwind-Suche. Möglicherweise muss er – wie Mama Naseweis – einfach etwas älter und abgeklärter werden, um auch an dieser Beschäftigung Spaß zu haben.

Inzwischen – Oktober 2022 – sind Ole und ich zu einem guten Team zusammen gewachsen. In der Arbeit besticht er durch enorme Ausstrahlung, aber er ist – wie seine Vorbesitzerin schon früh erkannt hat – wahrlich kein Anfängerhund!

Ich trainiere täglich mit ihm, ein „normales“ Hundeleben mit Spaziergängen und Spiel mit Artgenossen genügt ihm auf Dauer nicht. Diese ungewöhnlich hohe Arbeitsbereitschaft kommt nicht nur über seine Mutter-Linie, auch der italienische Vater Jermann war als junger Hund sehr dynamisch und wurde im Sport bis zur Obedience-Klasse 3 geführt.

Sehr erfreulich neben dieser Veranlagung ist Jermanns gute Altersstruktur. Inzwischen sind er und alle 6 Wurfgeschwister 10 Jahre und 9 Monate alt.

Ole ist HD-, ED- und DM-frei und selbstverständlich genomisch getestet. Im November 2021 wurde er in Köln durch Frau Kappetijn, Dr. Bachmann und Dr. Hollensteiner als Deckrüde im SSV e. V. ohne Einschränkungen angekört.

Im Februar 2022 bestand er mit sensationellen 100 Punkten in der Nasenarbeit die Rettungshunde Flächenprüfung V, am Folgetag fiel er dann ausgerechnet in der Trümmersuche durch, da wurde er ein Opfer seines (Über)eifers.

Im April 2022 bestand er die Trümmer-V-Prüfung dann mit sehr gut.  Am 7. und 8. Mai 2022 wagte ich nach einer anstrengenden Trainingswoche bei sehr heißen Temperaturen den Start in Nasenarbeit Trümmer und Fläche Stufe A. Während er in der Trümmerprüfung – offensichtlich müde von der Vorwoche – „nur“ mit befriedigend bestand, genügte im EIN Ruhetag zur Regeneration, um am zweiten Tag eine überzeugende Leistung in dem anspruchsvollen Flächengelände in Wittstock zu zeigen und mit 181 Punkten – sehr gut – bewertet zu werden.

Tja und dann? Ritt mich ein wenig der Teufel und ich meldete meinen Ole ganz einfach zur ersten kompletten Trümmerprüfung Stufe A im Juli an:

Fremder Platz in der Unterordnung, fremde Gruppenhunde, ein völlig Fremder, der ihm beim Tragen in der UO übernahm und in der Nasenarbeit ein Trümmergelände, das weder er noch ich zuvor gesehen hatten. Rahmenbedingungen, wie man sie eben bei einer Bundessiegerprüfung erwarten kann. Mit 77 Punkten in der Unterordnung und Gewandtheit und 182 Punkten in der Suche bestand er die erste Trümmerprüfung Stufe A mit GUT.

Acht Wochen später – erneut schwere Bedingungen für Ole: Es waren ganz viele Hündinnen in unserem Umfeld läufig, die Ameise hat er am 03.09.2022 gedeckt, nun sind Skadi, Bernds Malinoishündin, und Naseweis läufig. Bernd und ich hatten im Mai erfahren, dass am 10.09. der BRH-Leistungsrichter Volker Marx die RH-Prüfung in Wittstock richten würde.

Bei diesem Richter hatten wir mit unseren ersten Rettungshunden Nico und Jonathan Ende der 1980er-Jahre eine der ersten Hauptprüfungen bestanden. Uns beide hat gereizt, bei ihm nun auch unsere jungen Hunde zu führen.

Obwohl Skadi am Prüfungstag in der Standhitze war, bestanden beide Hunde in Wittstock die zweite Trümmerprüfung A mit gut. Skadi mit 88 Punkten in UO und Gewandtheit und 180 Punkten in der Suche, Ole mit 85 und 179 Punkten. 

Direkt nach Prüfungsende durfte Ole dann mit Skadi und Bernd wieder Richtung Heimat fahren und 14 Tage Ferien bei Simone, Mario und Ameise machen, während Naseweis und ich unsere bisher abenteuerlichste Reise gen Osten fortsetzten… SIEHE NASEWEIS