von den Lustigen Bären

Berner Sennenhunde

Naseweis - Ausbildung

Mit mehreren Teams startete unser kleinen DVG-Verein im Juli bei der 2. Bundessiegerprüfung Rettungshundesport. Es war ein superschönes Wochenende mit viel Spaß und Teamgeist, lediglich getrübt durch Momos Pech in der Trümmersuche B, in der sie leider nach Schwerstarbeit am 2. Helfer die 3. Person nicht mehr anzeigte.

Lange hatte ich überlegt, ob ich mit Naseweis in Fläche- oder Fährte B starten sollte. Die Suchergebnisse in den ersten beiden B-Prüfungen waren mit 191 Punkten identisch, eigentlich habe ich den Eindruck, dass ihr die Flächensuche mehr liegt.

Letztlich hatte ich trotzdem in der Fährte gemeldet, wo sie nach ungewöhnlicher Suche (3 Winkel zu viel und mehr als Prüfungslänge) erneut 191 Punkte erreichte. Als einziger Hund in der RH-Fährte wurde sie an diesem Tag Bundessiegerin.

Aufgrund von Corona hatte es in 2020 und 2021 keine Weltmeisterschaften im RH-Bereich gegeben. Da insgesamt nur wenige Prüfungen stattfinden konnten, hatten Naseweis und ich sowohl für Fläche als auch für Fährte mit 281 bzw. 275 Punkten die Qualifikation zur Teilnahme erreicht und ich wurde im Mai völlig überraschend gefragt, ob ich bei der FCI-WM in Italien und der IRO-WM in Rumänien für das VDH- bzw. DVG-Team starten würde.

Obwohl Naseweis die Flächensuche meines Erachtens besser liegt als die Fährte, sind wir bei beiden Veranstaltungen in der Fährte angetreten und (fast erwartungsgemäß) leider durchgefallen. Trotzdem waren beide Prüfungen hoch interessante Erfahrungen, zumal auch die Unterordnung in einem Stadion für uns beide eine Premiere war. 

In Italien ist – wie bei vielen Startern – leider auch die Unterordnung missglückt, in Rumänien hat sie trotz des plötzlich aufkommenden starken Windes eine ordentliche Leistung gezeigt und zumindest die UO bestanden.

Italien war durch Ankes Begleitung und dieses schöne Land ein Highlight, nach Rumänien sind Naseweis und ich allein im VW-Bus gereist.

Die Zustände in diesem – immerhin EU-Mitgliedsstaat – sind sehr speziell: Moderne Universitätsstadt mit gepflegten Parks und offensichtlich finanziell sorglosen Menschen und wenige Meter daneben „Ghettos“ mit völlig verarmten Bewohnern.

Dazwischen Pferdefuhrwerke mit klapprigen Leiterwagen, Wanderschäfer mit Hüte- und Herdenschutzhunden sowie aus dem Rucksack ragender Knarre und unzählige „wilde“ Hunderudel und Katzengruppen, gelegentlich ein Kadaver am Wegesrand und wegen der nicht existenten Müllabfuhr überall in der eigentlich schönen Landschaft bergeweise Müll und Unrat. Mich haben diese Gegensätze jedenfalls sehr bedrückt. 

Trotzdem war auch diese WM eine gute Erfahrung, erneut viel Teamgeist und gegenseitiges Interesse im deutschen Team, aber auch nette Kontakte zu den Belgiern, Österreichern, Dänen und der mutigen Russin Svetlana, die in Italien und Rumänien mit einem gelb-blauen T-Shirt und dem Aufdruck „I stand with Ukraine“ präsent war.

Sollte sich die Gelegenheit erneut bieten, bin ich wieder dabei – in der Fährte, die ich gerne trotz widriger Bedingungen einfach mal bestehen möchte.

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Die Ausbildung stand leider zunächst unter keinem guten Stern: Der unerwartete Verlust von Julchen und Göre hat mir für Monate die Freude am Hundetraining genommen. Erst beim gemeinsamen Fährtentraining mit Hurtig und Kalle Blomkvist gelang es Karen, mich zur ersten Fährte mit Naseweis zu bewegen. In der Unterordnung bremste mich eine Knieverletzung, die erst ein Jahr später operativ versorgt werden konnte. Trotzdem bestanden wir – etwas holprig – im November 2018 die BH/VT. 

Ein halbes Jahr später (ich noch immer humpelnd und „unter Drogen“) folgten die Rettungshunde-Prüfungen Fläche- und Trümmer-V.

Im Jahr 2020 konnte ich mich wieder schmerzfrei bewegen und die Unterordnung mit Naseweis neu aufbauen. Seitdem sind wir im Rettungshundesport aktiv und haben während der Corona bedingten Einschränkungen auch das Fährten fortgesetzt.

Während der Corona-Zeit haben wir viel Zeit zum Training in Mini-Gruppen gehabt, wovon alle Sportrettungshunde in unserem DVG-Verein profitiert haben. Zusätzlich haben die Fährtenbegeisterten jeweils zu zweit in aller Ruhe an den Schwachpunkten gearbeitet. Inzwischen hat Naseweis im SV die FH1 und im DVG die FH 2 bestanden. Außerdem ist sie der erste Berner, mit dem ich erfolgreich die RH-Prüfungen Trümmer, Fährte und Fläche in Stufe B abgelegt habe.